Die Solaranlage als Notstromversorgung?

Die meisten Solaranlagen speisen ins Haus und ins öffentliche Netz ein und schalten sich bei einem Stromausfall komplett ab. Wir haben eine Solaranlage mit 10-kWh-Speicher, die keinen Strom ins öffentliche Netz einspeist. Im Grunde ist sie eine klassische solarbetriebene Notstromversorgung, die immer in Betrieb ist. In der Praxis heißt das: Wichtige Geräte hängen über einen eigenen Stromkreis direkt am Solarsystem. Das hat zwei Vorteile. Kühlschränke, Computer und Internet laufen bei einem Stromausfall einfach weiter, ohne zusätzliche USV. Und im Alltag laufen sie mit eigenem Solarstrom. Wie sich das bewährt, zeigte ein 72-stündiger Stromausfall an Weihnachten: Alles Wichtige lief weiter, während das ganze Tal im Dunkeln lag.

Bojan Zimmermann

1/16/2026

Bei den meisten Häusern gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder hängt alles am öffentlichen Netz, dann bist du verwundbar, sobald die Infrastruktur ausfällt. Oder das Haus ist komplett autark, was viel Einsatz und eine große Investition erfordert. Es gibt einen Weg dazwischen.
Unser Haus hängt ganz normal am öffentlichen Stromnetz. Zusätzlich haben wir eine solarbetriebene Notstromversorgung: Solarmodule laden eine Batterie, und die versorgt über einen eigenen Stromkreis die wichtigsten Geräte. Diese Notstromversorgung wartet nicht auf den Ernstfall, sie läuft jeden Tag.
Ich betreibe dieses System seit vier Jahren im ländlichen Slowenien. Als zu Weihnachten schwerer, nasser Schnee Bäume umriss und mit ihnen die Stromleitungen, lag das ganze Tal 72 Stunden im Dunkeln. Genau dafür habe ich es gebaut.

Was woran hängt
Das Prinzip ist einfacher, als es klingt. Manche Verbraucher hängen dauerhaft am öffentlichen Netz: die gesamte Beleuchtung, der Hauptherd und der Warmwasserboiler im Bad. Sie ziehen entweder zu viel Strom für meinen Wechselrichter, oder der Umbau hat sich nicht gelohnt. Am Solarstromkreis hängen die Geräte, die immer laufen müssen oder bei Bedarf zum Einsatz kommen: zwei Kühlschränke, eine Gefriertruhe, die Waschmaschine, der Internet-Router, Computer und Bildschirm.

Dazu kommt eine flexible Mitte. Wasserdestillierer, Dörrgerät, Wasserkocher und Geräte, die ich nur gelegentlich nutze, nutze ich vorwiegend, wenn die Batterie voll ist. Das ist einfacher als es sich liest. Im Sommer ist das 10-kW-Batteriesystem fast immer vollständig geladen. Im Winter benutzen wir das Dörrgerät sowieso nicht, und der Wasserdestillierer wird dann überwiegend am Hauptnetz betrieben.

Die Steuerung übernimmt ein intelligenter Wechselrichter automatisch. Im Sommer produzieren die Module mehr Strom, als wir verbrauchen, die Batterie bleibt voll. Im Winter ist es anders: Kurze Tage und Bewölkung reichen nicht immer aus. Fällt die Batteriespannung unter einen festgelegten Wert, lädt der Wechselrichter die Batterie aus dem Netz nach. Diesen Wert passe ich je nach Jahreszeit an. Ein wichtiges Detail: Das System speist keinen Strom ins Netz ein. Keine Einspeisevergütung, keine Verrechnung. Die Sonne lädt die Batterie, die Batterie versorgt bestimmte Geräte, und wenn die Batterie voll ist, stoppt die Erzeugung einfach. Das ist alles.

Unabhängigkeit in mehreren Schichten
Der Strom ist nur ein Teil des Bildes. Wirklich widerstandsfähig wird das Ganze erst dadurch, dass sich verschiedene Systeme gegenseitig stützen. Wir heizen mit Holz. Zum Grundstück gehören zwei Hektar Wald. Ein effizienter Ofen deckt im Herbst und Winter die meisten Tage ab; ein zweiter im Obergeschoss kommt hinzu, wenn die Außentemperatur unter 0 °C fällt. Das Holz stammt ausschließlich von umgestürzten Bäumen. Wir fällen nichts, wir nutzen nur, was ohnehin am Boden liegt.
Für die Unabhängigkeit vom Strom ist das wichtiger, als die meisten denken: Wir haben keine Heizkörper. Keine Heizkörper heißt keine Umwälzpumpe. Und ohne Umwälzpumpe funktioniert die Heizung ganz ohne Strom. Fällt das Netz aus, bleibt es bei uns warm, ohne ein einziges Watt.

Für Gäste, für Vorratsarbeiten oder zum Kochen haben wir außerdem eine zweite Küche mit einem kombinierten Strom- und Gasherd. Für den Fall, dass wir keinen Strom und kein Gas mehr zur Verfügung haben, gibt es immer noch den älteren klassischen Küchenofen, der uns erlaubt, mit Holz zu kochen oder zu backen. Wird so ein Supergau irgendwann eintreten? Ich glaube nicht, aber es kostet ja nichts, alle Optionen zur Verfügung zu haben.

Dann ist da noch das Wasser. Wir destillieren unser Trinkwasser selbst, statt Flaschenwasser zu kaufen: etwa fünf Liter am Tag, rund 150 Liter im Monat. Ein Durchgang mit vier Litern verbraucht etwa 3 kWh Strom. Das lohnt sich finanziell wirklich nur, wenn man Solarstrom einsetzen kann. Sauberes Trinkwasser, keine Plastikflaschen, keine laufenden Kosten.

Jedes System sichert die anderen ab. Fällt das Netz aus, hält der Solarstrom die wichtigen Geräte am Laufen, das Holz hält uns warm, und Gas steht zum Kochen bereit. Leert eine trübe Woche die Batterie, lädt das Netz sie wieder auf.

Was die Zahlen tatsächlich zeigen
Bei den Zahlen muss man zwei Dinge unterscheiden: die Geräte am Solarstromkreis und den Stromverbrauch des ganzen Hauses. Die Geräte am Solarstromkreis laufen im Sommer zu 100 % mit Solarstrom. In der Regenzeit im Herbst und Winter reicht die Sonne nicht immer, dann lädt das Netz die Batterie nach. Übers Jahr gerechnet kommen trotzdem rund 90 % ihres Stroms von der Sonne.
Auf den Verbrauch des ganzen Hauses gerechnet, also inklusive Beleuchtung, Herd und Warmwasser am Netz, sparen wir im Sommer 60 bis 70 % und im Jahr rund die Hälfte.

Aber um die Ersparnis geht es eigentlich nicht. Es geht um das, was an Weihnachten 2025 passiert ist. Ein historisch schwerer Schneesturm hat das Stromnetz in der gesamten Region lahmgelegt. Ja, es war über Weihnachten, und daher dauerte es 72 Stunden, bis das Netz wieder lief. Unsere Notstromversorgung? Keine Probleme. Wir hatten während des Ausfalls Sonnentage, die Batterie blieb geladen. Beide Kühlschränke liefen durch. Die Gefriertruhe hat keinen Moment ausgesetzt.
Normale Stromausfälle dauern hier etwa drei Stunden, zwei- bis dreimal im Jahr. Die fallen uns kaum auf, die Geräte am Solarstromkreis laufen einfach weiter. Aber drei Tage ohne Strom im Winter, über die Feiertage hinweg? Dann zeigt sich, was das System wirklich wert ist.

Der Mittelweg
Energieunabhängigkeit ist keine Entweder-oder-Frage. Das haben mir vier Jahre bestätigt. Du musst dich nicht zwischen „komplett vom Netz abhängig” und „völlig autark” entscheiden. Das Netz bleibt für große Verbraucher und zum Nachladen im Winter; das Wesentliche versorgt die Sonne. Wo die Module stehen, war wichtiger, als ich erwartet hatte: am Hang, nicht auf dem Dach. Schnee räume ich in zehn Minuten mit dem Besen ab, statt auf ein vereistes Dach zu klettern oder im Winter tagelang keinen Strom zu erzeugen.

Am meisten hat mich die psychologische Wirkung überrascht. Wenn das Wesentliche nicht von einer Infrastruktur abhängt, die du nicht kontrollierst, verändert sich etwas. Strompreiserhöhungen verlieren an Gewicht. Engpässe im Netz zu Spitzenzeiten sind nicht mehr dein Problem. Drei Tage ohne Netzstrom. Keine Einschränkung bei dem, was zählt. Ein warmes Haus, laufende Kühlschränke, sauberes Wasser, ununterbrochene Arbeit. Genau das leistet eine Solaranlage, die als Notstromversorgung dient.

Hinweis: Dieser Artikel beschreibt meine eigenen Erfahrungen und stellt keine Installationsanleitung dar. Die Regeln für Solaranlagen und Batteriespeicher unterscheiden sich je nach Land und Region. Kläre deshalb vorab mit deinem örtlichen Netzbetreiber oder Energieversorger, was bei dir erlaubt und meldepflichtig ist. Planung, Installation und Anschluss gehören in die Hände einer zugelassenen Elektrofachkraft.

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