Wir leben umgeben von Technik. Handys, WLAN, Stromleitungen und Geräte erzeugen elektromagnetische Felder (EMF), die man weder sieht noch spürt. Baubiologen und manche Forscher gehen davon aus, dass eine dauerhafte Belastung die elektrische Kommunikation in unserem Körper stören kann. Genannt werden Schlafstörungen, anhaltende Müdigkeit und weitere Beschwerden. Was die Forschung dazu sagt, findest du weiter unten.
Wer seine Belastung senken will, braucht dafür keine großen Investitionen. Der wichtigste Ort ist das Schlafzimmer. Dort verbringst du ein Drittel deines Lebens, und dort soll sich dein Körper erholen.
Welche Felder es im Haus gibt
Baubiologen unterscheiden im Wohnbereich vor allem fünf Arten:
Elektrostatische Felder: entstehen durch Kunststoffe und synthetische Textilien, zum Beispiel Teppiche, Vorhänge oder Bettwäsche.
Magnetostatische Felder: entstehen durch Metall, häufig durch Metallbetten oder Federkernmatratzen.
Elektrische Wechselfelder: gehen von Stromleitungen, Kabeln und Steckdosen aus, auch wenn kein Gerät eingeschaltet ist.
Magnetische Wechselfelder: entstehen, wenn Strom fließt, etwa durch Installationsfehler, Transformatoren oder Stromleitungen in der Nähe des Hauses.
Hochfrequente Strahlung: kommt von Funkanwendungen wie WLAN, Handy, schnurlosem DECT-Telefon und Mobilfunkmasten.
Zusammen spricht man von Elektrosmog.
Was sagt die Forschung?
Die Studienlage ist gemischt. Einige Untersuchungen finden Zusammenhänge, andere nicht. Hier ein ehrlicher Überblick.
Studien, die einen Zusammenhang finden:
Handy am Ohr: Eine schwedische Forschergruppe fand bei Menschen, die seit mehr als 25 Jahren mobil telefonieren, ein erhöhtes Risiko für bösartige Hirntumoren (Gliome) [1]. Eine unabhängige französische Studie fand bei normaler Nutzung keinen Zusammenhang, wohl aber bei den intensivsten Nutzern mit mehr als 896 Stunden Gesprächszeit im Leben [2]. Eine Auswertung von 46 Studien zeigt dasselbe Bild: kein erhöhtes Risiko bei normaler Nutzung, ein Signal erst ab über 1000 Stunden Gesprächszeit [3].
Magnetfelder im Haus: Eine gemeinsame Auswertung von neun Studien fand bei Kindern, die dauerhaft starken Magnetfeldern ab 0,4 Mikrotesla ausgesetzt waren, ein doppelt so hohes Leukämierisiko [4]. Solche Werte erreicht allerdings weniger als 1 von 100 Haushalten. Auch auf dieser Grundlage stuft die Internationale Agentur für Krebsforschung der WHO niederfrequente Magnetfelder als „möglicherweise krebserregend” ein.
Mobilfunkmasten: Eine österreichische Studie mit 365 Anwohnern fand, dass Kopfschmerzen mit der gemessenen Strahlung zusammenhingen, obwohl alle Werte weit unter den Grenzwerten lagen [5].
Studien, die keinen Zusammenhang finden:
Eine von der WHO beauftragte Übersichtsarbeit von 2024 fand insgesamt kein erhöhtes Hirntumorrisiko durch Handynutzung [6].
Eine Auswertung von 17 Studien zu Mobilfunkmasten ergab in kontrollierten Versuchen meist keine akuten Beschwerden. Für die Folgen einer langen, niedrigen Belastung reichen die Daten laut den Autoren jedoch nicht aus [7].
Was das für dich bedeutet:
Ob Elektrosmog krank macht, ist wissenschaftlich umstritten. Dabei lohnt ein Blick darauf, wer forscht: Eine der genannten Auswertungen fand, dass von der Industrie mitfinanzierte Studien eher geringere Risiken zeigen [3]. Wer abwarten will, bis sich die Wissenschaft einig ist, wartet womöglich lange. Vorsorge kostet dagegen wenig: Abstand zu Kabeln, Kabel statt Funk, ein ruhiges Schlafzimmer. Genau dafür gibt es das Vorsorgeprinzip.
So schaffst du ein strahlungsarmes Zuhause
Fang beim Schlafzimmer an
Ersetze ein Metallbett oder eine Federkernmatratze durch ein Holzbett und eine Matratze ohne Metall.
Stell das Bett mit mindestens 1 bis 2 Metern Abstand zu Steckdosen und Kabeln auf.
Schalte nachts die Sicherung für das Schlafzimmer ab. Bequemer geht das mit einem Netzfreischalter, der den Strom automatisch abschaltet, sobald kein Gerät mehr läuft.
Wenn nötig, kann ein Abschirmstoff um das Bett zusätzlich helfen.
Der Rest des Hauses
Zieh den Stecker von Geräten, die du gerade nicht brauchst.
Stell die Basisstation des Schnurlostelefons weit weg von Wohn- und Schlafräumen auf.
Nutze LAN-Kabel statt WLAN, wo es möglich ist.
Wenn du ohnehin renovierst: Abschirmende Materialien in Wänden und Decken lassen sich dann einfach einbauen.
Miss nach
Mit einem einfachen Kompass prüfst du, ob dein Bett magnetisiert ist. Weicht die Nadel ab, wenn du sie langsam über das Bett führst, ist Metall im Spiel.
Für ein genaues Bild lohnt sich eine Messung durch einen Baubiologen.
Geh bewusster mit Technik um
Telefoniere weniger mit dem Handy am Ohr und trag es nicht direkt am Körper.
Nutze den Lautsprecher oder ein Headset mit Luftschlauch (Air-Tube).
Schalte das WLAN nachts ab. Viele Router haben dafür eine Zeitschaltung.
Wähle natürliche Materialien
Möbel, Böden und Baustoffe aus Holz, Naturfasern und Lehm laden sich kaum statisch auf.
Was du erwarten kannst
Viele Menschen berichten, dass sie nach solchen Veränderungen besser schlafen, mehr Energie haben und seltener Kopfschmerzen bekommen. Manche erleben auch eine bessere Stimmung und Konzentration. Das ist von Mensch zu Mensch verschieden, und manche Veränderungen brauchen Zeit.
Ganz ohne elektromagnetische Felder lebt heute niemand. Es geht nicht darum, auf Technik zu verzichten, sondern Zonen mit wenig Belastung zu schaffen, vor allem dort, wo du schläfst. Manche Maßnahmen, etwa das WLAN nachts abzuschalten, verlangen eine kleine Umstellung im Alltag.
Wenn du gesundheitliche Beschwerden hast, sprich mit einer Ärztin oder einem Arzt. Für eine Messung und einen Plan für dein Zuhause ist ein Baubiologe die richtige Adresse.
Quellen
[1] Hardell & Carlberg (2015), Pathophysiology. https://doi.org/10.1016/j.pathophys.2014.10.001
[2] Coureau et al. (2014), Occupational and Environmental Medicine. https://doi.org/10.1136/oemed-2013-101754
[3] Choi et al. (2020), International Journal of Environmental Research and Public Health. https://doi.org/10.3390/ijerph17218079
[4] Ahlbom et al. (2000), British Journal of Cancer. https://doi.org/10.1054/bjoc.2000.1376
[5] Hutter et al. (2006), Occupational and Environmental Medicine. https://oem.bmj.com/content/63/5/307
[6] Karipidis et al. (2024), Environment International. https://doi.org/10.1016/j.envint.2024.108983
[7] Röösli et al. (2010), Bulletin of the World Health Organization. https://doi.org/10.2471/BLT.09.071852
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Arbeiten an der Elektroinstallation, etwa der Einbau eines Netzfreischalters, gehören in die Hände einer zugelassenen Elektrofachkraft.
Provisionsfrei. Du sprichst direkt mit dem Eigentümer, auf Deutsch oder Englisch. Die rechtliche Abwicklung übernehmen ein Anwalt und ein Notar, die Zahlung läuft über ein Treuhandkonto.
Kontakt:
kontakt@ecosanctuaryliving.com


